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Junge Banker arbeiten bis zum Umfallen

Junge Banker arbeiten bis zum Umfallen

25. August 2013

Es gibt Schlagzeilen, die werden im Vorbeigehen gelesen, so auch die Schlagzeile „Deutscher Praktikant starb in England – hatte er zu viel gearbeitet?“ Das klingt nach Boulevard Journalismus und nach Aufreißer für die Titelseite, aber wenn man sich die Mühe macht und den dazu passenden Artikel liest, dann wird man überrascht, was sich wirklich hinter dieser Headline verbirgt. So ist es mir ergangen, denn ich konnte mir bis dahin nicht vorstellen, dass man sich tatsächlich zu Tode arbeiten kann.

 

Ein Fall, der schockiert

Kann man sich überhaupt zu Tode arbeiten, wie geht das, und vor allem wie kann das einem 21 Jahre jungen, gesunden Mann passieren? Der Fall des deutschen Praktikanten, der sich bei einer englischen Bank zu Tode geschuftet hat, schockiert die britische Finanzwelt. Mir hat sich die Frage gestellt, wie sieht das Arbeitspensum in englischen Banken aus? Erschreckend – anders kann man es nicht formulieren, denn eine 100 Stunden Woche ist in dieser Branche offenbar keine Seltenheit. Dass es stressige Berufe gibt, in denen Menschen wenig Schlaf bekommen, das ist bekannt, aber ich dachte in diesem Zusammenhang mehr an Assistenzärzte, für die eine 40 Stunden Woche kein Thema ist. Aber ein Angestellter in einer Investmentbank? Tatsächlich ist es kein Geheimnis, dass besonders im Investment Bereich buchstäblich bis zum Umfallen gearbeitet wird, und wer vorher nach Hause geht, der gilt als Schwächling. Analysten kennen keinen Feierabend, sie arbeiten nicht selten drei Tage und Nächte vor dem Bildschirm, ohne sich eine Minute Schlaf zu gönnen. Das ist einem jungen Deutschen jetzt zum Verhängnis geworden, denn er brach nach Tagen und Nächten voll mit Arbeit zu Hause unter der Dusche tot zusammen.

 

Arbeitswut und Adrenalin

Ehrgeiz kann hilfreich sein, wenn man im Leben vorankommen will, und viele junge Leute sind ehrgeizig und sehen darin eine Chance, beruflich weiter zu kommen. Ehrgeiz kann aber auch gefährlich werden und das ist vielleicht einer der Gründe, warum sich besonders junge Banker einem unmenschlichen Arbeitsrhythmus unterwerfen. Nach der weltweiten Finanzkrise sind die Banken wieder im Aufwind und das gilt im Besonderen für die Sparte Investment, denn dort kann viel Geld verdient werden. Zudem sorgt der Investmentbereich immer wieder für einen angenehmen Schuss Adrenalin, das belebend durch die Adern rauscht. Ehrgeiz und Adrenalin stellen aber eine sehr gefährliche Mischung dar, die dem jungen Deutschen, der als Elitestudent galt, unter Umständen zum Verhängnis wurde. Englische Zeitungen sprechen jetzt von modernen Sklaven und einer Machokultur, die ihre Opfer fordert. Die Kritik richtet sich dabei gegen die Banken, die besonders die Praktikanten zu Höchstleistungen antreiben und es dabei oftmals übertreiben. Forderungen werden laut, dass man junge Leute, die in den Banken schuften, nach Qualität und nicht nach Quantität beurteilen sollte. Andere sehen die Vorgesetzten in der Pflicht, den Ehrgeiz der jungen Mitarbeiter zu zügeln. Aber welcher Praktikant, der auf eine feste Anstellung hofft, geht einfach nach Hause, wenn sein Chef noch arbeitet?

 

Fazit

Nicht alle arbeiten sich zu Tode, nur weil sie beruflich etwas erreichen wollen, aber viele haben nur ein Achselzucken für denjenigen übrig, der sich zu Tode gearbeitet hat. Er hat eben Pech gehabt.